Aktivistische Investoren
Alvarez & Marsal veröffentlicht aktuellen Activist Alert: Aktivistische Investoren bei deutschen Unternehmen zunehmend skeptisch
News

München – 20. Januar 2026 – Alvarez & Marsal, (A&M), eines der weltweit führenden Beratungsunternehmen, hat die neueste Ausgabe seines A&M Activist Alert (AAA) mit einer Einordnung der jüngsten Tätigkeit aktivistischer Investoren und einem Ausblick auf 2026 veröffentlicht. Der AAA ist die führende Quelle für die Bewertung von Shareholder-Aktivismus in Europa. Die aktuelle Ausgabe zeigt, dass technologischer Wandel, geopolitische Unsicherheiten und makroökonomische Volatilität das Umfeld für Aktivismus in Deutschland und Europa im Jahr 2025 spürbar verändert haben.

Der aktuelle A&M Activist Alert (AAA) verzeichnet einen deutlichen Rückgang bei der Gesamtzahl aktivistischer Kampagnen in Europa. Im Jahr 2025 wurden insgesamt 133 Kampagnen registriert, im Jahr 2024 waren es hingegen noch 174. Gleichzeitig nimmt der Anteil von US-Fonds als Initiatoren zum fünften Mal in Folge von 33 % auf nun 41 % zu.

Einer der wesentlichen Gründe für den allgemeinen Rückgang der Aktivität ist die anhaltende Unsicherheit rund um die internationale Zollpolitik, die viele Investoren zu einer zurückhaltenderen Vorgehensweise veranlasste. Regional verlagerte sich der Fokus der Aktivisten deutlich auf das Vereinigte Königreich. 41 % aller europäischen Kampagnen, insgesamt 39 Fälle, entfielen auf britische Unternehmen. Damit bleibt das Vereinigte Königreich der mit Abstand wichtigste Zielmarkt für aktivistische Investoren in Europa.

Patrick Siebert, Managing Director und Co-Head von A&M Deutschland, erklärt die Entwicklung: „Mit dem Anstieg der M&A-Aktivität in den USA hat auch das Engagement aktivistischer Investoren dort spürbar zugenommen. In Europa bleibt das Vereinigte Königreich der zentrale Markt für Aktivismus. Dies wird bedingt durch moderat bewertete Aktienkurse, die britische Unternehmen besonders attraktiv für Investoren machen. Deutschland und die Schweiz folgen auf den Plätzen zwei und drei der aktivsten Märkte für aktivistische Investoren.“

Deutschland stand 2025 weniger im Fokus

Der Fokus aktivistischer Investoren auf Deutschland hat 2025 spürbar nachgelassen. Zwar verzeichnete Deutschland weiterhin die zweithöchste Anzahl aktivistischer Kampagnen in Europa, der Anteil an der Gesamtzahl ging aber von 24 % im Jahr 2024 auf 17 % im Jahr 2025 deutlich zurück. Ausschlaggebend für diese Entwicklung waren vor allem geopolitische Spannungen, internationale Handels- und Zollkonflikte sowie Chinas zunehmende Positionierung entlang der industriellen Wertschöpfungskette. Diese Faktoren betreffen insbesondere in Deutschland stark vertretene Industriesektoren wie die Automobilindustrie oder den Anlagen- und Maschinenbau und erhöhen die Unsicherheit für Investoren.

Gleichzeitig eröffnen solche Rahmenbedingungen zwar grundsätzlich Chancen für aktivistische Engagements, erhöhen jedoch auch das Risiko, frühzeitig in strukturell belastete Geschäftsmodelle zu investieren. Entsprechend agieren Aktivisten derzeit selektiver und vorsichtiger.

Patrick Siebert ordnet ein: „Während deutsche Unternehmen lange Exportweltmeister waren, übernimmt China heute zunehmend zentrale Teile der industriellen Wertschöpfung selbst. Diese Entwicklung macht aktivistische Investoren vorsichtiger: Sie engagieren sich nur dort, wo sie klare Schwächen erkennen, und realistische Chancen sehen, durch ihren Einfluss nachhaltig Wert zu schaffen. In vielen Fällen erscheint der Wettbewerbsdruck aus China jedoch zu groß. Besonders betroffen sind exportorientierte Branchen wie die Automobilindustrie, Zulieferer sowie der Anlagen- und Maschinenbau.“

2026 kommt auch in Deutschland die Kehrtwende

Für 2026 rechnen die Experten von A&M mit einer vorübergehenden Zurückhaltung aktivistischer Investoren in Deutschland. In den ersten sechs bis neun Monaten dürften Kampagnen weiter zurückgehen. Eine Trendwende erwartet A&M im zweiten Halbjahr, wenn klarer wird, wie Unternehmen auf aktuelle Herausforderungen reagieren. Insgesamt werden derzeit sieben deutsche Unternehmen mit einem hohen Risiko bewertet, innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate zum Ziel aktivistischer Investoren zu werden, und weitere 19 Unternehmen könnten in den folgenden zwölf bis 18 Monaten ins Visier geraten.

„KI-Strategien rücken zunehmend in den Fokus aktivistischer Investoren“, sagt Patrick Siebert. „Entscheidend ist hier nicht, ob über KI gesprochen wird, sondern ob sie messbar zur Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit beiträgt. 2026 wird das zur Kernfrage für viele Unternehmen.“

Die Atempause ist vorbei

Schon 2025 verlagerte sich Aktivismus zunehmend ins Verborgene und statt lauter Kampagnen setzen Investoren verstärkt auf diskrete Einflussnahme. Dabei nutzen sie auch unter der Meldeschwelle jede Gelegenheit, an Einfluss zu gewinnen.

Nach einer Phase der Zurückhaltung infolge wirtschaftlicher Unsicherheit und geopolitischer Risiken zeigt sich nun, dass die Aktivität wieder deutlich zunimmt. Steigende M&A-Dynamik und mehr öffentliche Kampagnen deuten auf einen erneuten Aufschwung des Shareholder-Aktivismus in Europa hin.