Berlin, 11.10.2024 - "Der deutsche Beteiligungsmarkt kann sich nicht aus dem Klammergriff eines anhaltend herausfordernden Umfelds lösen. Die Investitionen blieben auf insgesamt niedrigem Niveau und summierten sich im ersten Halbjahr 2024 auf 4,15 Mrd. €. Das Fundraising scheint jedoch wieder Fahrt aufzunehmen“, so Ulrike Hinrichs, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Bundesverband Beteiligungskapital (BVK) zu den heute vorgelegten Marktzahlen. „Damit konnten die Investitionen zwar nicht die Vorjahreswerte erreichen. Erfreulich ist jedoch, dass wir bei den Venture Capital-Investitionen ein Plus verzeichnen konnten. Eine Rückkehr zu den Gesamtinvestitionen der Jahre bis 2022 dürfte vor dem Hintergrund der anhaltend schwierigen politischen und gesamtwirtschaftlichen Lage trotzdem noch auf sich warten lassen und maßgeblich von einem Anspringen des Buy-Out-Marktes abhängen.“
Investitionen von 4,15 Mrd. € bedeuten einen Rückgang um 18 Prozent im Vergleich zum vorherigen Halbjahr (5,09 Mrd. €). Das Investitionsniveau des ersten Halbjahres 2023 mit 7,71 Mrd. € wurde deutlicher verfehlt. Insgesamt wurden 446 Unternehmen in den ersten sechs Monaten des Jahres mit Beteiligungskapital finanziert, davon 325 mit Venture Capital.
Venture Capital-Investitionen zeigen sich erholt
Venture Capital stemmt sich gegen den allgemeinen Trend. 1,41 Mrd. € investierten Beteiligungsgesellschaften in den ersten sechs Monaten des Jahres in Startups und damit mehr als jeweils in den drei vorhergehenden Halbjahren. Die Vorjahreswerte (H1: 1,21 Mrd. €, H2: 1,24 Mrd. €) wurden merklich übertroffen. „Die Venture Capital-Investitionen haben ihren Boden gefunden und orientieren sich inzwischen wieder aufwärts. Das macht Hoffnung, auch wenn der Markt noch einiges aufzuholen hat. 2021 wurden jeweils rund 2 Mrd. € je Halbjahr investiert“, kommentiert Hinrichs.
Buy-Outs mit Rückgang
Die Buy-Out-Investitionen beliefen sich im ersten Halbjahr 2024 auf 2,06 Mrd. € und blieben damit hinter den Vorjahreswerten zurück (H1: 7,71 Mrd. €, H2: 5,09 Mrd. €). „Der deutsche Buy-out-Markt wird weiterhin maßgeblich beeinträchtigt von der gesamtwirtschaftlichen Schwäche und unsicheren Konjunkturaussichten. Dies belastet den M&A-Markt allgemein und Private Equity im Besonderen. Gerade große Transaktionen blieben Mangelware. Die nun eingeleitete Zinswende und eine sich hoffentlich bald aufhellende Konjunktur könnten neue Impulse liefern“, erläutert Hinrichs. „Wir hoffen zudem, dass die jüngsten Mega-Übernahmen bei Techem, Covestro und Schenker den M&A-Dornröschenschlaf hierzulande beenden und der Auftakt zu einer Jahresendrally waren.“
Minderheitsbeteiligungen (Wachstums-, Replacement- und Turnaround-Finanzierungen) bei mittelständischen Unternehmen und reiferen Jungunternehmen erreichten 0,68 Mrd. € und lagen ebenfalls unter den Vorjahreswerten (H1: 1,19 Mrd. €, H2: 0,80 Mrd. €). Weiterhin fehlen vor allem große Wachstumsfinanzierungen bei Grownups. Zudem fluktuieren in diesem Marktsegment die Investitionen regelmäßig aufgrund großer Einzelinvestments.
Fundraising trotzt dem herausfordernden Umfeld
Das Fundraising zeigt erste Zeichen einer Erholung. Deutsche Beteiligungsgesellschaften warben im ersten Halbjahr insgesamt 2,94 Mrd. € bei Investoren ein. Dies bedeutet einerseits mehr als eine Verdreifachung gegenüber dem schwachen Vorhalbjahr (0,88 Mrd. €), andererseits aber auch weniger neue Mittel als im ersten Halbjahr 2023 (4,02 Mrd. €). „Die Zurückhaltung bei den institutionellen Investoren scheint sich langsam zu entspannen. Die Leitzinssenkungen dürften alternativen Anlageklassen wie Private Equity und Venture Capital wieder Aufwind bescheren. Seit dem Sommer haben wir einige, auch große neue Fonds in Deutschland gesehen. Insofern sollte im Gesamtjahr durchaus noch das Fundraising-Niveau des Vorjahres erreicht werden können“, blickt Hinrichs voraus.
Die gesamte, vorläufige Statistik für das erste Halbjahr 2024 finden Sie auf der Website: www.bvkap.de
Über den BVK
Der Bundesverband Beteiligungskapital ist die Stimme und das Gesicht der Beteiligungsbranche in Deutschland. Wir beziehen Stellung gegenüber Politik und Medien, um die Bedeutung von Beteiligungskapital für die deutsche Wirtschaft zu unterstreichen. Wir beobachten und analysieren der Markt stetig und reagieren auf Veränderungen. Wir fördern den Erfahrungsaustausch zwischen unseren Mitgliedern, sodass die Beteiligungsbranche in Deutschland näher zusammenwächst.
Der BVK vereint 300 Mitglieder. Rund 200 Mitglieder sind Beteiligungsgesellschaften im Bereich Venture Capital, Large-Buy-Out und Wachstumsfinanzierung. Hinzu kommen auch die die institutionellen Investoren. Die übrigen hundert Mitglieder sind Beratungsgesellschaften, Dienstleister und sonstige Institutionen, die mit Beteiligungsgesellschaften zusammenarbeiten. Der BVK hat seinen Sitz in der Reinhardtstraße 29b, mitten im Regierungsviertel Berlins. Hier wirkt die Geschäftsstelle, die von Ulrike Hinrichs als geschäftsführendem Vorstandsmitglied geleitet wird.