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(Distressed) M&A – W&P Trendradar 2026
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(Distressed) M&A – W&P Trendradar 2026

Was sind die angesagten Themen im (distressed) M&A im Jahr 2026? Auf einer Skala von 0-10: In welchen Branchen ist der Handlungsdruck am größten? Philipp Piscol, Partner M&A, und Dr. Hubertus Bartelheimer, Mitglied der Geschäftsleitung bei Dr. Wieselhuber & Partner (W&P), wagen eine Prognose – im W&P Trendradar.

„2026 wird zum Jahr der schnellen Distressed-Entscheidungen – wer vorbereitet ist, kauft Substanz, wer zögert, rettet nur noch Fragmente!“ – Philipp Piscol, Partner M&A, und Dr. Hubertus Bartelheimer, Mitglied der Geschäftsleitung bei Dr. Wieselhuber & Partner (W&P).

 

 

Distressed-Transaktionen werden selektiver: Weniger Fälle, höhere Komplexität


Der DACH-Markt befindet sich in einer Krisenphase: Die Zahl attraktiver Fälle sinkt, während Volumen und Komplexität steigen. Immer häufiger treten Unternehmensgruppen erst nach gescheiterten vorinsolvenzlichen Sanierungsversuchen in M&A-Prozesse ein. Klassische Bieterverfahren bis zum Signing sind die Ausnahme – meist bleibt nur ein ernstzunehmender Investor übrig. Das verlängert Timelines, erhöht Risikoabschläge und drückt Kaufpreise in Richtung Substanzwert. Strategische Käufer mit klarer Transformationsagenda nutzen diese Marktverengung konsequenter als internationale Investoren, die sich weitgehend zurückziehen oder zu langsam agieren.

Industrials und energieintensive Segmente: Krisentreiber mit selektiven Chancen


Der Industriesektor bleibt Krisenherd: Kosteninflation, volatile Materialpreise und die „Stapelkrise“ führen zu überproportional vielen Insolvenzen. Besonders betroffen sind spezialisierte Fertiger, Automotive-Zulieferer und Building-Technology-Unternehmen. Gleichzeitig entstehen Konsolidierungsfenster, da Wettbewerber ebenfalls schwächeln. Für Investoren heißt das: tiefgehende technische Due Diligence, konsequenter Fokus auf Lieferfähigkeit und realistische Einschätzung operativer Potenziale. 2026 besonders deutlich, welche Targets echte Turnaround-Chancen haben – und wo lediglich ein „Turnaround-Narrativ“ konstruiert wird.

Mittelstand & Nachfolge: Insolvenz als Exit-Kanal


Die Nachfolgelücke im Mittelstand trifft auf Liquiditätsprobleme – zunehmend führt dies zur Insolvenz. Für Käufer entstehen attraktive Einstiegsmöglichkeiten, zugleich aber operative Risiken, da Schlüsselpersonal in längeren Unsicherheitsphasen abwandern kann. Parallel staut sich der Exit aus älteren PE-Fonds, die verstärkt auf Distressed-Verkäufe oder präventive Sanierungen setzen. Add-ons und Carve-outs erzeugen einen der stabilsten, aber anspruchsvollsten Deal-Flows 2026.

Finanzierung & Private Equity: Strukturen statt Leverage


Private Equity bleibt im Distressed-Umfeld aktiv, agiert aber ob des Überangebotes extrem selektiv – häufig nur bei Buy-&-Build-Ansätzen oder opportunistischen Einzeltransaktionen. Klassischer Leverage ist aktuell selten darstellbar. Stattdessen gewinnen Earn-outs, Vendor Loans, teilverbriefte Kaufpreise oder Joint-Venture-Modelle an Bedeutung. Private-Debt-Finanzierer verlangen risikoadäquate Margen, wodurch Risiken stärker auf Käuferseite wandern. Profiteur dieser Gesamtsituation ist, wer strukturelle Kreativität mit operativer Transformationskompetenz kombiniert.

Internationale Bieter und Regulierung: Weniger Wettbewerb, mehr Komplexität


Geopolitische Spannungen und regulatorische Unsicherheit bremsen internationale Käufer – besonders aus den USA und Asien. Gleichzeitig steigt die Komplexität der Insolvenz-Due-Diligence: ESG, Lieferkettengesetze, IT/OT-Sicherheit und Staatshilfen schaffen zusätzliche Herausforderungen. Wettbewerb sinkt, Aufwand je Transaktion steigt. Käufer müssen früher, tiefer und strukturiert einsteigen, um in den weiterhin engen Zeitfenstern handlungsfähig zu bleiben.