Entscheider in Private-Equity-Fonds setzen Künstliche Intelligenz (KI) vor allem zu Beginn möglicher Transaktionen ein: Für die Analyse und Zusammenfassung von Daten sowie für die finanzielle Prüfung (Financial Due Diligence) nutzen heute jeweils 27 Prozent der Befragten auch KI. In den verkaufsnahen Aktivitäten kommt sie bisher noch seltener zum Einsatz: in der konkreten Vorbereitung des Verkaufsprozesses nutzen KI 13 Prozent zur Unterstützung. Das zeigt der 2026 Private Equity AI Radar von FTI Consulting, für den 200 PE-Entscheider weltweit befragt wurden.
Bei der Commercial Due Diligence setzen nur 17 Prozent auf KI
Für die Verkaufsvorbereitung nennen die Befragten die Modernisierung der Dateninfrastruktur als wichtigste KI-Priorität (42 Prozent)
Geht es um Übernahmen mit KI-Bezug, gelten Beschäftigte mit KI-Kompetenz und technische Teams (67 Prozent) als wichtigster Werttreiber
Im laufenden Deal-Prozess folgen in der KI-Nutzung auf Datenanalyse und Financial Due Diligence das Scannen und Verarbeiten von Dokumenten (26 Prozent), die Erkennung von Unregelmäßigkeiten und Betrug (24 Prozent) sowie die operative Due Diligence (23 Prozent). Je näher der faktische Verkauf rückt, desto seltener kommen KI-Werkzeuge bisher zum Einsatz. Die Planung der Wertsteigerung und die Vorbereitung der Verkäufer-Story setzen nach eigenen Angaben 20 Prozent KI-gestützt um, die kommerzielle Due Diligence 17 Prozent. Am seltensten kommt KI bei der konkreten Vorbereitung des Verkaufsprozesses zum Einsatz: bei 13 Prozent der Befragten.
„In der frühen Phase einer Transaktion geht es darum, Bilanzen, Verträge und Betriebskennzahlen schnell auszuwerten. Das kann KI heute schon recht zuverlässig“, sagt Andreas Stöcklin, Leiter des Transaktionsbereichs von FTI Consulting in Kontinentaleuropa. „Verhandlungsführung, Käuferansprache und Story bleiben bisher verstärkt Erfahrungssache. Aber auch hier könnte eine verstärkte Unterstützung durch KI den Gesamtprozess deutlich beschleunigen sowie kritische Punkte absichern. Da wird sich in den nächsten Monaten und Jahren enorm Potenzial zeigen.“
KI-Fähigkeit wird relevantes Kriterium für Verkaufsfähigkeit
Bereiten die Befragten ein Unternehmen auf den Verkauf vor, nennen sie die Modernisierung der Dateninfrastruktur als wichtigste Priorität (42 Prozent) für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Es folgen KI-gestützte Compliance und Risikosteuerung sowie KI-gestützte Dokumentenverarbeitung (jeweils 36 Prozent), KI-geführte Prognosen und die Weiterentwicklung der Produkt- und Technologie-Roadmap (jeweils 35 Prozent). Auch eine bessere Sicht auf die operativen Abläufe (34 Prozent) zählt zu den häufiger genannten Prioritäten.
„Käufer betrachten immer stärker, wie KI- und automationsfähig die Unternehmen sind, für die sie sich interessieren“, sagt Andreas Stöcklin. „Denn wenn das anschlussfähig aber noch nicht umgesetzt ist, lassen sich schnell spürbare Effekte erzielen. Und das Unternehmen lässt sich zudem langfristig auf Effizienz und Effektivität ausrichten. Darum ist es wichtig, dass Verkäufer wichtige Bereiche ihres Unternehmens KI-fähig machen, selbst wenn sie KI selbst noch nicht ausrollen. Der zweite Effekt: Je KI-kompatibler Daten bereits vom Verkäufer aufbereitet sind, desto einfacher können Käufer selbst KI-Tools zur Bewertung einsetzen. Das kann Deals ungemein beschleunigen.“
Übernahmen mit KI-Bezug: Worauf Käufer dann besonders achten
Geht es um Übernahmen, bei denen die vorhandenen KI-Fähigkeiten des Zielunternehmens im Fokus stehen, nennen 67 Prozent der Befragten Beschäftigte mit KI-Kompetenz und technische Teams als wichtigen oder entscheidenden Werttreiber. 57 Prozent nennen proprietäre Daten und KI-Infrastruktur, ebenfalls 57 Prozent Produkt- und Plattformfähigkeiten. Bei der strategischen Ausrichtung solcher Übernahmen überwiegt das Wachstumsmotiv: 41 Prozent der Befragten nennen Wachstumsbeschleunigung und den Eintritt in neue Märkte als primären Treiber, 19 Prozent die Absicherung gegen technologische Überholung durch Wettbewerber.
„Wer nicht nur KI-fähig ist, sondern bereits konkret Know-how und Infrastruktur in der eigenen Organisation aufgebaut hat, ist heute ein besonders attraktives Ziel“, sagt Andreas Stöcklin. „Beschäftigte, die KI im Tagesgeschäft beherrschen, und eine eigene Datenbasis sind heute Assets, nach denen Käufer gezielt suchen, und die noch immer eher eine Seltenheit sind. Es gibt darum für Verkäufer heute zwei Wege: die eigene Organisation KI-fähig machen, um schnell und mit besserer Marge verkaufen zu können. Oder diese Marge mit zusätzlichem Sicherheitsaufschlag an den Käufer zu geben, der im Anschluss das erworbene Unternehmen selbst modernisiert und automatisiert. Es bedarf einer gezielten Einzelfallbetrachtung, um zu beurteilen, welcher Weg jeweils lohnenswerter erscheint.“