- Synergieziele werden selten verlässlich erreicht: Nur 5 Prozent der Befragten berichten von vollständiger Zielerreichung bei mehr als 80 Prozent ihrer Transaktionen - lediglich 42 Prozent lassen Annahmen vor Vertragsunterzeichnung formal unabhängig prüfen.
- Umsatzpotenziale geraten zu spät in den Blick: 42 Prozent beginnen die Planung erst nach Vertragsunterzeichnung, bei 53 Prozent machen Kostensynergien mindestens 60 Prozent der angekündigten Ziele aus.
- Nach dem Abschluss fehlt die konsequente Steuerung: Nur 5 Prozent verfolgen Synergien in Echtzeit - Unternehmen sollten Verantwortlichkeiten früh klären und zusätzliche Potenziale systematisch erschließen.
München, November 2026 - Unternehmenszusammenschlüsse versprechen niedrigere Kosten, zusätzliche Umsätze und mehr Wert. Doch zwischen dem Synergieversprechen und seiner Umsetzung klafft eine erhebliche Lücke. Das zeigt die Roland-Berger-Studie „The synergy solution“ auf Basis einer internationalen Befragung von 55 erfahrenen M&A-Fachleuten. 62 Prozent der Befragten geben an, dass in den vergangenen fünf Jahren weniger als 60 Prozent ihrer Transaktionen die vollständigen Synergieziele erreicht haben. Nur 5 Prozent berichten, dass dies bei mehr als 80 Prozent ihrer Transaktionen gelang. Die Studie sieht die Ursachen häufig schon vor der Vertragsunterzeichnung: Annahmen werden zu früh zu verbindlichen Zusagen, ohne dass ihre Umsetzbarkeit ausreichend geprüft und abgesichert ist.
Eine zentrale Schwachstelle ist die fehlende unabhängige Prüfung der Synergieannahmen. Nur 42 Prozent der Befragten verfügen vor Vertragsunterzeichnung über eine formale interne oder externe Prüfinstanz. Die übrigen verlassen sich auf informelle Prüfungen oder verzichten ganz auf eine unabhängige Überprüfung. Unter dem Druck, eine Transaktion abzuschließen, rückt damit die entscheidende Frage in den Hintergrund: Kann die Organisation die zugesagten Synergien tatsächlich realisieren? Roland Berger empfiehlt, wesentliche Annahmen vor der Unterzeichnung anhand belastbarer Daten, realistischer Zeitpläne, Umsetzungskosten und operativer Abhängigkeiten zu überprüfen. Für jeden wesentlichen Werthebel sollte zudem frühzeitig eine verantwortliche Person feststehen.
Auch zusätzliche Umsatzpotenziale werden häufig zu spät vorbereitet. 42 Prozent der Befragten beginnen die Planung entsprechender Synergien erst nach der Vertragsunterzeichnung. Gleichzeitig dominieren Kostensenkungen: Bei 53 Prozent machen Kostensynergien mindestens 60 Prozent der angekündigten Synergieziele aus. Während sich Einsparungen vergleichsweise gut berechnen und zuordnen lassen, hängen zusätzliche Umsätze wesentlich von der Zusammenarbeit der beteiligten Organisationen ab. Gemeinsame Kundenbetreuung, der Verkauf ergänzender Angebote und eine abgestimmte Preisgestaltung erfordern Vertrauen, klare Zuständigkeiten und passende Anreize. Die Studie empfiehlt deshalb, die kulturellen und organisatorischen Voraussetzungen früh zu identifizieren, Schlüsselpersonal zu binden und die Zusammenarbeit bereits vor dem Vollzug vorzubereiten.
Nach dem Transaktionsabschluss setzt sich die Umsetzungslücke fort. Nur 5 Prozent der Befragten nutzen eine Übersicht zur Synergieverfolgung in Echtzeit. 40 Prozent verlassen sich auf vierteljährliche oder jährliche Überprüfungen oder verfolgen die Synergien nach dem Abschluss nicht systematisch. Dadurch drohen Verzögerungen zwischen dem Erkennen von Abweichungen und notwendigen Managemententscheidungen. Nachträglich identifizierte Potenziale können verfehlte Zusagen zudem selten vollständig ausgleichen: 76 Prozent berichten, dass solche zusätzlichen Hebel die Lücke zu den bei Vertragsunterzeichnung zugesagten Zielen nur teilweise, geringfügig oder gar nicht schließen. Lediglich 4 Prozent geben an, dass die Lücke vollständig ausgeglichen wurde.
Die Konsequenz: Unternehmen sollten die Realisierung von Synergien als durchgängige Führungsaufgabe organisieren - von der ersten Prüfung bis weit über den Abschluss hinaus. Bislang richten nur 22 Prozent der Befragten eine zentrale Integrationssteuerung mit klaren Entscheidungsrechten bereits vor Vertragsunterzeichnung ein. Der von Roland Berger entwickelte Ansatz verbindet fünf Aufgaben: Synergieannahmen validieren, Entscheidungsrechte festlegen, die Organisation früh auf die Umsetzung vorbereiten, nach dem Abschluss neue Wertpotenziale erschließen und den finanziellen Beitrag konsequent nachverfolgen. Eine gemeinsame Steuerungsübersicht sollte zugesagte und realisierte Synergien, gefährdete Ziele, zusätzliche Potenziale sowie erforderliche Entscheidungen getrennt ausweisen. Neue Chancen dürfen dabei nicht dazu dienen, die unzureichende Umsetzung ursprünglicher Zusagen zu verdecken.
Über die Studie
Die Roland-Berger-Studie „The synergy solution“ basiert auf einer im Auftrag der Unternehmensberatung durch den globalen Expertennetzwerkanbieter GLG durchgeführten Befragung von 55 erfahrenen M&A-Experten weltweit.